Biographie von Ingrid Merz

Ingrid ist von uns gegangen durch Verkehrsunfall im Jahr 2010

 
Ich war 19, als ein junger Mann namens Frieder, Sohn einer Gärtnerfamilie, mir seinen Glauben an Jesus bezeugte, indem er u. a. sagte, dass er überzeugt sei, dass Jesus jetzt
hier bei uns wäre und dass er, wenn er alleine sei, laut mit ihm reden würde, so wie mit mir jetzt.

Dies geschah auf einer gemeinsamen Autofahrt und es war das erste Mal, dass ich so etwas hörte. Zu dieser Zeit trampte ich in der Weltgeschichte umher auf der Suche nach Freiheit und Abenteuer.

Mein Elternhaus hatte ich gleich nach dem Abi verlassen, das Verhältnis insbesondere zu meinem Vater war schon seit längerem völlig gebrochen. Als Anhalterin und auf der Suche nach einem Job, um den Winter in Marokko verbringen zu können, landete ich bei der besagten Familie in der Nähe von Karlsruhe. Ich bekam dort auch mit, dass in der Bibel gelesen wurde und ich wurde auch mal in „d’Stund“ mitgenommen, aber eindrücklich war für mich vor allem die Persönlichkeit des Frieders. Dennoch gab ich mich ungerührt, sagte, dass ich nicht an Gott glaubte, und ging wieder mit meinem Verdienst in der Tasche und führte mein „Lotterleben“, wie es mein Vater nannte, weiter. Für mich allerdings war es das perfekte Leben, nicht weiter als ein paar Wochen oder Monate zu denken.

2 Jahre später lebte ich mit 15 Leuten in einem besetzten Haus in Stuttgart von Sozialhilfe, Dealerei, Dieberei und Gelegenheitsjobs. Am Anfang war ich echt stolz darauf, zu dieser Clique zu gehören und frei von den Zwängen und Moralvorstellungen der Gesellschaft zu leben. Aber allmählich dämmerte es mir, dass ich dabei war, mein Leben zu ruinieren. Da fand ich eines Tages auf der Straße einen weggeworfenen Handzettel mit der Aufschrift „Keinen Frieden ohne Jesus Christus“. Sofort durchzuckte mich die Erinnerung. Es war eine Einladung zu einer Evangelisation am selben Abend und mit meinem großen Schäferhund dabei ging ich hin.

Mir leuchtete alles ein: Dass es Gott gibt, dass es einen Teufel gibt, dass der Mensch böse ist und eine Erneuerung von innen heraus braucht und dass Jesus irgendwie der Schlüssel ist. Aber zu persönlicher Hinwendung kam es an diesem Abend nicht, das dauerte noch ca. ½ Jahr. Als ich ging, hatte ich ein Weltbild gewonnen und das war für mein Leben bereits ein großer Gewinn. Mit den neu gewonnenen Erkenntnissen ging
ich nur in Gedanken um. Und da ich selten nüchtern war und auch halluzinogene Drogen nahm, kam außer verrückten Einbildungen nichts Vernünftiges dabei heraus. Alles wurde
eher schlimmer, exzessiver. Es ergab sich dann, dass ich abrupt ins Krankenhaus kam. So
alleine mit mir selbst wurde mir die Sinnlosigkeit meines Lebens und auch meiner Jesus-Phantasien voll bewusst und mir kamen auf einmal Frieders Worte aus dem Auto in den Sinn und da klickte es auf einmal in mir: „Dann ist er ja jetzt auch hier bei mir.“ Das war mein Durchbruch, mir ging der Mund über, ich warf mich auf Jesus. In der Nachttischschublade war eine Gideonbibel und ich begann, in ihr zu lesen.

Wieder draußen ging ich, um Ruhe zum Bibellesen zu finden, immer ins Lesezimmer der Christlichen Wissenschaft, denn bei uns im Haus tönte immer laute Rockmusik. Bald entdeckte ich ganz in der Nähe ein Schild an einem unscheinbaren Haus: „Gemeinde der Christen ... wir laden ein zu unseren Versammlungen ...“ Dieser Einladung folgte ich.
Ich kann im Nachhinein nur dankbar sein für so viel Hilfe und Unterstützung, die ich dann erfuhr.

Ich begriff immer mehr, wie sündig mein Leben vor Gott tatsächlich war und begann die Bedeutung seines Kreuzestodes für mich – Vergebung und ewiges Leben – zu ermessen.
Gleichzeitig redete das Wort auch ganz praktisch zu mir, z. B. wurde mir beim Lesen von 2.Thessalonicher 3,10 schlagartig klar, was ausgesagt war: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!

Eine Schwester half mir in dem Diakonissenkrankenhaus, in dem sie selbst arbeitete, eine Arbeit als Stationshilfe zu bekommen, auch bekam ich dort ein Zimmer im Wohnheim.
In der Gemeinde war dienstags Bibelstunde, mittwochs Krankenhaussingen, donnerstags Jugendstunde, freitags und samstags Traktatverteilen mit Teestubenarbeit und sonntags
Gottesdienst. Ich saugte alles auf wie ein Schwamm. Vor allem Lieder. Mit Rauchen und Drogen hörte ich auf, Beziehungen brach ich ab, gestohlene Sachen bezahlte ich und wurde immer froher.
 
Psalm 107 beschreibt, wie ich mich fühlte. Eine Riesenüberwindung kostete es mich, zu meinen Eltern zu gehen und sie um Vergebung zu bitten. Aber nachdem ich es getan hatte, erwies es sich als großer Segen. Mein Vater steht heute noch voll hinter mir und meiner Familie. Ein Bruder ermutigte mich sehr, beruflich noch etwas zu machen. So griff ich auf mein Abi zurück und begann mit 24 Jahren Sozialpädagogik zu studieren.

Meine 1 ½ jährige Praktikumszeit absolvierte ich in einem sozialtherapeutischen Männerwohnheim der Heilsarmee in Nürnberg, wo ich mich mit Elisabeth Merz, Gottfrieds Schwester anfreundete, die dort HWL war. Über sie lernte ich in ihrem Elternhaus auch Gottfried kennen, der damals in Kiel Landwirtschaft studierte.
 
5 weitere Jahre folgten, in denen ich als Erzieherin in einem christlichen Kinderheim bei Stuttgart arbeitete. Obwohl ich mich dort sehr wohl fühlte, wuchs in mir immer mehr der
Wunsch zu heiraten und eigene Kinder zu bekommen. Da kam es bei Elisabeth, zu der ich nach wie vor Kontakt pflegte, zum Wiedersehen mit Gottfried. Wir begannen eine Beziehung und ein knappes Jahr darauf, im Juni 1993, heirateten wir. Am Ende dieses Jahres wurde Gottfried von seinem Arbeitgeber nach Abensberg versetzt, wo wir uns nach einiger Zeit der CGK anschlossen.
 
1994 und 1995 bekamen wir Ruben und Johanna und so versuche ich seither als Hausfrau und Mutter meine eigenen Kinder zu erziehen. Auch in meinem Leben als Christ gab es immer wieder schwierige Umstände und Situationen – oft genug aufgrund
eigener falscher Entscheidungen und persönlicher Mängel – aber ich weiß, dass Gott, der für meine Ewigkeit alles gut gemacht hat, auch in diesem irdischen Leben grundsätzlich
für mich ist. Dieses Wissen gibt mir Trost und Geborgenheit in jeder Lage und ist mein fester Grund im Leben.

Ingrid Merz